PAS

Was ist das Parental Alienation Syndrom (PAS) (Eltern-Kind-Entfremdungs-Syndrom)?

Erstmalig von R. A. Gardner eingeführt, bezeichnet PAS eine Störung beim Kind, die hauptsächlich im Kontext von Sorgerechts- und Umgangsstreitigkeiten auftritt. Hauptsymptom ist die Verleumdungskampagne des Kindes gegen den Elternteil, mit dem es nicht mehr zusammen lebt.

Ursachen:
  • Beeinflussung ("Indoktrination") durch den entfremdenden Elternteil
  • Kind übernimmt selbst aktive Rolle und "verteufelt" scheinbar aus eigener Initiative den entfremdeten Elternteil
Im Fall von echtem Kindesmissbrauch und/oder Vernachlässigung kann die Feindseligkeit des Kindes begründet sein; in diesem Fall darf PAS als Erklärung für die feindliche Haltung des Kindes nicht herangezogen werden.

Quellen: nach Fthenakis, W. E.: Die Familie nach der Familie: Wissen und Hilfen bei Elterntrennung und neuen Beziehungen. 1. Aufl : Beck Juristischer Verlag, 2008. S. 192 und nach Gardner, R. A.: The parental alienation syndrome. 2nd Edition. Creskill, NJ. 1998.

 
Im Gegensatz zu PAS (was die ausgelöste Störung beim Kind beschreibt) fokussieren Parental Alienation (PA) / Eltern-Kind-Entfremdung und Hostile Aggressive Parenting (HAP) / Feindselig aggresives Elternverhalten auf das elterliche Verhalten.

Zwischem dem Parental Alienation Awareness Syndrom (PAS) und dem Stockholm-Syndrom bestehen erkennbare Parallelen. "Unter dem Stockholm-Syndrom versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass das Opfer mit den Tätern sympathisiert und mit ihnen kooperiert." Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm_Syndrom )

Erforderliche, wesentliche Merkmale für PAS

(nach Richard A. Warshak)

1. Ablehnung oder Verunglimpfung eines Elternteils, die das Ausmaß einer Kampagne erreichen, d.h. andauernd und nicht nur als gelegentliche Episode;

2. die Ablehnung ist irrational, d.h. die Entfremdung ist nicht eine angemessene Reaktion auf das Verhalten des abgelehnten Elternteils

und

3.sie ist Teilresultat des Einflusses des entfremdenden Elternteils.

Wenn eines dieser drei Elemente fehlt, ist die Bezeichnung PAS nicht anwendbar.

Quelle: Warshak, Richard A.: Sachlichkeit statt Polemik. Übersetzt von Christian T. Dum, mit einem Vorwort von W. v. Boch-Galhau. In: ZfJ Zentralblatt für Jugendrecht 5, 2005. S. 186 ff.

Wahrscheinliche Folgen für das Kind (Auswahl)

  • Starker Anpassungsdruck und starker Loyalitätskonflikt
  • Systematische Verwirrung des Kindes in der Selbst- und Fremdwahrnehmung
  • Schwere Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörungen, die in der Regel erst Jahre später offenbar werden
  • Bindungs- und Beziehungsstörungen
  • Erhöht deliquente Verhaltensweisen und Suizidrisiko

Symptome für PAS

(nach Fthenakis nach R. A. Gardner)
  • Zurückweisungs- und Herabsetzungskampagne gegenüber dem abgelehnten Elternteil, die sich durch eine ungewöhnliche Härte auszeichnet
  • Absurde Rationalisierung dieser Herabsetzung durch Argumente, die in keinem nachvollziehbaren Verhältnis zum Ausmaß der Ablehnung stehen
  • Fehlen normaler Ambivalenz gegenüber dem abgelehnten Elternteil
  • Das Phänomen der "eigenen Meinung": Das Kind betont, dass es von niemanden in seiner Haltung beeinflusst werde.
  • Reflexartige Parteinahme für den entfremdeten Elternteil, wenn es um den elterlichen Konflikt geht.
  • Abwesenheit von Schuldgefühlen gegenüber dem entfremdeten Elternteil.
  • "Geborgte Szenarien": Das Kind gibt belastende Begebenheiten wieder, die es vermutlich nicht selbst erlebt hat, was an einer nicht-kindgemäßen Sprache deutliche wird.
  • Ausweitung der Feindseligkeit auf die erweiterte Familie (Großeltern, Verwandte) und Freunde des entfremdeten Elternteils

Quelle: Fthenakis, W. E.: Die Familie nach der Familie: Wissen und Hilfen bei Elterntrennung und neuen Beziehungen. 1. Aufl : Beck Juristischer Verlag, 2008. S. 192f.

Wahrscheinliche Folgen für betroffene Elternteile (Auswahl)

  • ·         Negative Auswirkungen auf Alltag, Arbeitsleistung und soziale Beziehungen
  • ·         Beeinträchtigung der physischen und psychischen Lebensqualität; Hohe Kosten wegen Verfahren, Beratung usw.; Starke Belastung der seelischen Verfassung
  • ·         Starke körperliche Beeinträchtigungen
  • ·         Depressivität, tiefe Traurigkeit, starke Müdigkeit und Erschöpfung, Nervosität und innere Anspannung, Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit

Quelle: extrahiert aus Katona, E. T.: Parental Alienation Syndrome : Der Verlust des eigenen Kindes durch Trennung und Scheidung. Diplomarbeit. Freiburg, 2007.


Was können Sie tun? (Auswahl)

  • "Zeit heilt alle Wunden, außer Entfremdung." [...]
    "Der Grad der Entfremdung des Kindes ist direkt proportional zur auf die Entfremdung angewandten Zeit." [...]
    "Gerichte, die langsam sind Entscheidungen zu fällen, können unbeabsichtigt die arglistigen Pläne des entfremdenden Elternteils zur Entfremdung unterstützen." [...]
    Quelle: Cartwright, Glenn F.: Teilübersetzung aus: "Expanding the parameters of parental alienation syndrome", American Journal of Family Therapy, 21 (3), 205-215, 1993.

    Gegen Entfremdung hilft Umgang, je häufiger und in möglichst kurzfristigen Zeitabständen desto besser; das gilt analog (Interaktionshäufigkeit) auch für die Lösung des elterlichen Streits.
    Deshalb:
    Verlieren Sie nirgends Zeit! Möglichst schnell handeln und nicht warten, verschieben oder vertrösten lassen!

    Wenn kein Umgang stattfinden sollte, dann sollten Sie die umgehende Einleitung eines Gerichtsverfahrens in Betracht ziehen.

  • Sie wissen
    - Die Paarbeziehung ist vorbei. Aber:
    - Eltern bleiben Eltern, ein Leben lang.

--> Trennen Sie immer die Elternebene von der Paarebene.

  • Verdeutlichen Sie: Es ist das Recht des Kindes auf Umgang und Sorge und die Pflicht der Eltern - nicht umgekehrt.
  • never, never, never give up (Winston Churchill) - Geben Sie nie, nie, nie auf!
  • Seien sich sich immer bewußt: Die Kinder sind Opfer!
  • Halten Sie sich mit Argumentation mit und Kritik an ihrem Kind zurück, wenn ihr zorniges, wütendes Kind sie zu Argumentation und Kritik einlädt bzw. provoziert: Es ist wichtiger in Beziehung zu sein mit ihrem Kind als Recht zu haben.

  • Eigenverantwortliches Handeln ist notwendig, dazu brauchen Sie Wissen und Kenntnisse.